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Die Ohrwürmer Deutschlands
The Earwigs of Germany
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Liste der permanent in Deutschland vorkommenden Dermaptera
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Ohrwürmer - Dermaptera, wie sie wissenschaftlich heißen - sind allgemeine bekannte Tiere. Trotzdem oder wahrscheinlich deshalb ist Ihre Biologie recht spärlich untersucht. Engagierte Amateure und Profis die regelmässig nach Dermapteren suchen, sind eher selten anzutreffen, ganz anders wie zum Beispiel bei Tagschmetterlingen, Libellen und Heuschrecken.
Die ist umso erstaunlich als die Ohrwürmer sehr interessante Eigenschaften haben. Herausragend ist die - vermutlich durchgehend vorhanden - Brutpflege der Mutter für die Eier und die Erstlarve. Weiterhin stellt die Flugfähigkeit ein sehr interssantes Problem dar. Manche Tiere einer Art sind fliegend anzutreffen und sind manchmal beim Lichtfang anzutreffen, andere Tiere der selben Art können aber nicht fliegen. Hier liegt in der systematischen Beobachtung dieser Arten eine wichtige und durchführbare Aufgabe für Amateure, die diese wichtigen biologischen Basisdaten sammeln können.
In Deutschland gibt es eine sehr überschaubare Anzahl von Arten (und nur wenige, die gelegentlich eingeschleppt werden), die fast alle nach Photos sicher identifiziert werden können. Die schwierigen Arten gehören alle zu einer Gattung (Chelidura) und wurden früher auch als nur eine Art angesprochen. Das Problem mit diesen zwei Arten ist aber sehr begrenzt und auch lösbar. Weltweit sind übrigens rund 2.200 Arten beschrieben, im Gebiet der Fauna Europaea etwa 83.
Der Namen "Ohrwurm" ist übrigens nicht so recht nachvollziehbar. Natürlich schlüpfen Ohrwümer manchmal in ein menschliches Ohr, das sie als Versteck nutzen. Dies kam in einer mitteralterlichen und bäuerlichen Gesellschaft, die ja noch viel Stärker mit der Natur zum Guten und Schlechten (Parasiten z.B.) vernetzt war, als heutige Stadtmenschen, öfters vor. Die Ohrwürmer nutzen einfach menschliche Ohren als Unterschlupf. Allerdings tun dies auch andere Insekten. So berichten südafrikanische Ärzte von allen möglichen Insekten in den Ohren ihrer Patienten - Schaben, Käfer und Wanzen - allerdings keine Ohrwürmer! (Literatur dazu mit dem Schlüsselwort 'medicine' in der 'Keywords' Datenbank suchen). Warum also gerade dieses Insekt nach den Ohren benannt wurde, ist mir daher nicht so ganz verständlich.
Die Benennung nach dem Ohr findet sich im Deutschen, Englischen, Französischen und Russischen. Andere Sprachen wie Thai, Japanisch, aber auch Schwedisch, Spanisch, Italienisch und Portugisisch weist der Namen auf die Zangen, die dann als 'Scheren', 'Zangen' oder 'Schwänze' bezeichnet werden, hin (mehr Sprachen in der Datenbank 'Vernacular, Native or Common Names'). Eine sehr logische Bennenung.
Wie der Ohrwurm auch mit Namen versehen wird, er kriecht nie gezielt in Ohren, weder menschliche noch tierische, und baut dort auch nie Nester oder bohrt sich in das Gehirn, um dort Eier zu legen.
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| Deutsche Ohrwurmfaunen
Matzke D (2001) Verzeichnis der Ohrwürmer (Dermaptera) Deutschlands [Inventory of the earwigs (Dermaptera) of Germany]. Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 6: 53-59. Verknüpfung ...
Zacher F (1917) Die Geradflügler Deutschlands und ihre Verbreitung. 287 pp.
Auf dieser Grundlage habe ich ein tabellarische Zusammenfassung für die einzelnen Bundesländer ausgearbeitet. Daneben gibt es noch meine Bearbeitung im Rahmen der Fauna Europaea.
Weitere Informationen und Bilder zur deutschen Ohrwurmfauna finden sich in den Datenbanken und bei den Verknüpfungen.
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Alle Daten zur Verbreitung in der Deutschland
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Arten
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Labiduridae
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Labiduridae: Labidurinae |
zu den Abbildungen |
| Labidura riparia (Pallas, 1773) |
Sandohrwurm, Uferohrwurm |
| Locus Typicus: Sibirien/Russland |
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| Einige Synonyme:
Apterygida huseini Rehn, 1901
Forficesila affinis Guérin-Méneville, 1836
Forficesila gigantea Burmeister, 1838
Forficesila icterica Audinet-Serville, 1839
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Größte deutsche Art (25-30 mm), die nicht mit den anderen hiesigen Arten verwechselt werden kann. Die Färbung ist allerdings recht variabel in Ton und Muster, die Zangen sind dunkler gefärbt. Die Deckflügel sind immer vorhanden, die Flügel ragen in unterschiedlichem Masse über diese hinaus; bei flugfähigen Exemplaren, die es auch bei uns gibt, sind sie besonders lang. Bei Adulten Tieren sind die Zangen zwischen Männchen und Weibchen recht ähnlich.
Der Sandohrwurm ist auschließlich räuberisch und jagt vor allem andere Arthropoden. Er wird auch gelegentlich zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt bzw. seine nutzbringen Aktiväten wurden untersucht.
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Forficulidae
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Forficulinae |
zu den Abbildungen |
| Forficula auricularia Linnaeus, 1758 |
Gemeiner Ohrwurm, Ohrwurm, Ohrenkriecher, Ohrenkneifer, Ohrenhöhler, Öhrling |
| Locus Typicus: "Europa" [sic] |
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| Einige Synonyme:
Forficula borealis Leach, 1835
Forficula caucasica Kolenati, 1846
Forficula parallela Fabricius, 1775
Forficula dentata Fabricius, 1775
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Häufigste Art in Deutschland, sie stellt den Ohrwurm dar, den jedermann kennt. Mittelgross, um 15-20 mm mit Zangen und durchgehend braun gefärbt. Flügeldecken immer vorhanden und die Flügel ragen über diese hinaus. Die Zangen sind recht variable und unterscheiden sich zwischen Männchen und Weibchen deutlich. Der Gemeine Ohrwurm kann allenfalls mit dem Zweipunktohrwurm (Anechura bipunctata) verwechselt werden. Letztere hat jedoch je einen hellen Punkt auf jedem Deckflügel, und bei den Männchen sind die Zangen auch in der Seitenansicht, nicht nur in der Aufsicht, deutlich geschwungen. Beim Gemeinen Ohrwurm fehlen die Punkte und die Zangen sind in der Seitenansicht fast gerade.
Forficula auricularia ist ein Allesfresser, sie wird zum Teil als Nützling angesehen und wird auch zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Die bekannten, umgedrehten Blumentöpfe mit Stroh darin, dienen als Tagesunterkünfte für diese Tiere, nah an ihrem potentiellen Futter, dan Blattlausen und anderen Pflanzenschädlingen in Büschen und Bäumen. Andererseits frisst die Art auch an zarten Blüten- und andere Pflanzenteile, wo durch sie auch schädlich werden kann.
Der Gemeine Ohrwurm ist, je nach Population flugfähig, so dass sichere Nachweise und Beobachtungen sehr wünschenswert wären. Hilfestellung zur morphologischen Bestimmung der Flugfähigkeit kann gegeben werden.
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Forficulinae |
zu den Abbildungen |
| Apterygida media (Hagenbach, 1822) |
Gebüschohrwurm |
| Locus Typicus: Schweiz |
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| Einige Synonyme:
Apterygida albipennis (Megerle, 1825)
Apterygida pedestris Westwood, 1840
Forficula media Hagenbach, 1822
Chelidura curta Fischer, 1846
Sphingolabis albipennis Megerle, 1825
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Kleiner als Forficula auricularia, um 10-15 mm mit Zangen und durchgehend braun gefärbt. Flügeldecken immer vorhanden; Flügel klein und läppchenartig, sie ragen nie über Flügeldecken hinaus.
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Anechurinae |
zu den Abbildungen |
| Anechura bipunctata (Fabricius, 1781) |
Zweipunkt-Ohrwurm |
| Locus Typicus: Italien |
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| Einige Synonyme:
Anechura asiatica Semenov, 1903
Anechura orientalis Semenov, 1901
Chelidura anthracina Kolenati, 1846
Forficula biguttata Fabricius, 1794
Forficula fabricii Fieber, 1854
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Seltene Art, die erst kürzlich neu bzw. sicher in den deutschen Alpen nachgwiesen wurde*. Ältere Zitate, aber ohne auffindbare Belegexemplare, liegen für Thüringen vor, und sind sehr daher zweifelhaft. Anechura bipunctata ähnelt am meisten dem Gemeinen Ohrwurm, und es kann gut sein, dass sie deshalb übersehen wurde ("Ist ja nur ein Gemeiner Ohrwurm ..."). Insbesondere Weibchen der beiden Arten sind sehr ähnlich.
Der Zweipunkt-Ohrwurm ist mit 15-20 mm (mit Zangen) etwa gleich groß wie der Gemeine Ohrwurm, allerdings dunkler gefärbt und mit je einem deutlichen hellen Fleck auf jedem Deckflügel, und die Zangen des Männchens sind auch in der Seitenansicht geschwungen. Die Art kommt in kühleren Gegenden vor, bei uns in den Hochlagen. Die Art ist möglicherweise flugfähig, sichere Nachweise fehlen aber.
*Werner S (2005) Wiederentdeckung des in Deutschland verschollenen Zweipunktohrwurms Anechura bipunctata (Fabricius, 1781). Nachrichtenblatt der Bayerischen Entomologen München, 54 (1/2): 49-52.
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Anechurinae |
zu den Abbildungen |
| Chelidura acanthopygia (Géné, 1832) |
Waldohrwurm |
| Locus Typicus: Italien |
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| Einige Synonyme:
Forficula aptera Schmidt, 1866
Chelidurella acanthopygia (Géné, 1832)
Forficula acanthopygia Gené, 1832
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Chelidura ist im Gebiet die schwierigste Gattung. Kürzlich wurde die Art in zwei Arten aufgespalten: Chelidura guentheri Galvagni, 1993 und Chelidura thaleri Harz, 1980. Die Arten sind aber nur im Vergleich und in Serien auseinanderzuhalten. Kleiner als Forficula auricularia, um 10-15 mm Körperlänge mit Zangen.
Provisorisch wird die Art 'Chelidura acanthopygia' hier weitergeführt. Denn abgesehen von der Ausspaltung in der gleichen Gattung, ist 'Chelidura acanthopygia' sicher von den anderen Arten auch anhand eines Photos zu unterscheiden.
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Spongiphoridae
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Spongiphoridae: Labiinae |
zu den Abbildungen |
| Labia minor (Linnaeus, 1758) |
Kleiner Ohrwurm, Zwergohrwurm |
| Locus Typicus: "Europa" [sic] |
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| Einige Synonyme:
Forficula minor Linnaeus, 1758
Copiscelis minor Fieber, 1853
Forficesila minor Frivaldsky, 1867
Forficula livida Zschach, 1788
Labia minuta Scudder, 1876
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Kleinste deutsche Art (5-6 mm), die nicht mit anderen Arten im Gebiet verwechselt werden kann.
Labia minor ist immer flugfähig, die Flügel ragen deutlich über die Deckflügel hinaus, und nutzt regelmäßig diese Fähigkeit, um zu die vereinzelten Nist- und Jagdplätzen zu erreichen: der Kleine Ohrwurm jagd und brütet in Dunghaufen und kommt daher - scheinbar - eher sporadisch vor.
Eine genaue Kartierung dieser Art wäre besonders interessant, auch in Relation zu Dunghaufen und deren Erzeuger, sprich Pferd, Kuh etc.
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Eingeschleppte oder zeitweise in Deutschland lebende Arten
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Anisolabididae
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Anisolabididae: Carcinophorinae |
zu den Abbildungen |
| Euborellia annulipes (Lucas, 1847) |
Südlicher Ohrwurm |
| Locus Typicus: Frankreich |
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| Einige Synonyme:
Anisolabis annulipes (Lucas, 1847)
Anisolabis aporonoma Borelli, 1910
Anisolabis fallax Shiraki, 1906
Forficesila annulipes Lucas, 1847
Forficula equestris Gene, 1837
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Mittelgroße Art etwa 15 mm lang, durchgehend braun bis schwarz gefärbt. Die Zangen sind kurz und kräftg, wobei sich Männchen und Weibchen darin kaum unterscheiden. Deckflügel und Flügel fehlen völlig, so dass auch Larven und Adulte nicht so leicht unterschieden werden können. Merkmal dafür sind die weißlichen Häutungsnähten auf Kopf und Thorax.
Der Südliche Ohrwurm wurde gelegentlich in der Leipziger Region sicher nachgewiesen. Allerdings scheint dieser Standort - der einzige für Deutschland - seit einiger Zeit erloschen zu sein. Aller wahrscheinlichkeit nach wurde die Art in historischer Zeit durch Obst- und Gemüsehandel eingeschleppt, und konnte sich bei Leipzig einige Zeit halten. Der Südliche Ohrwurm ist aber kein permanentes Faunenelement für Deutschland.
Gelegentlich wurden schon vollständig geflügelte Exemplare gefunden: Jamet C, Caussanel C (1995) Donnees biologiques, fonctionnement des appareils genitaux, comportements sexuels et maternels chez Euborellia annulipes (Lucas) (Dermaptere, Carcinophoridae). Bulletin de la Societe Entomologique de France, 100 (1): 37-58.
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