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Die Ohrwürmer der Schweiz
The Earwigs of Switzerland
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Liste der permanent in der Schweiz lebenden Dermaptera
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Ohrwürmer - Dermaptera, wie sie wissenschaftlich heißen - sind allgemein bekannte Tiere. Trotzdem oder wahrscheinlich deshalb ist Ihre Biologie recht spärlich untersucht. Engagierte Amateure und Profis, die regelmässig nach Dermapteren suchen, sind eher selten anzutreffen, ganz anders wie zum Beispiel bei Tagschmetterlingen, Nachfaltern, Libellen und Heuschrecken.
Die ist umso erstaunlich als die Ohrwürmer sehr interessante Eigenschaften haben. Herausragend ist die - vermutlich durchgehend vorhandene - Brutpflege der Mutter für die Eier und die Erstlarven. Weiterhin stellt die Flugfähigkeit ein sehr interssantes Problem dar. Manche Imagines einer Art sind fliegend anzutreffen und sind manchmal beim Lichtfang anzutreffen, andere Tiere der selben Art können aber nicht fliegen. Hier liegt in der systematischen Beobachtung dieser Arten eine wichtige und durchführbare Aufgabe für Amateure, die diese wichtigen biologischen Basisdaten sammeln können.
In der Schweiz gibt es eine sehr überschaubare Anzahl von Arten (und nur wenige, die gelegentlich eingeschleppt werden), die fast alle nach Fotos sicher identifiziert werden können. Die problematischen Arten gehören alle zu einer Gattung (Chelidura) und wurden früher auch als nur eine einzige Art angesprochen. Das Problem mit diesen zwei Arten ist aber sehr begrenzt und auch lösbar. Weltweit sind übrigens rund 2.200 Arten beschrieben worden, im Gebiet der Fauna Europaea etwa 83.
Der Name "Ohrwurm" ist übrigens nicht so recht nachvollziehbar. Natürlich kriechen Ohrwümer manchmal in ein menschliches Ohr, das sie als Versteck nutzen. Dies kam in einer mitteralterlichen und bäuerlichen Gesellschaft, die ja noch viel Stärker mit der Natur zum Guten und Schlechten (Parasiten z.B.) vernetzt war, als bei heutige Stadtmenschen, öfters vor. Die Ohrwürmer nutzen menschliche Ohren nur in Ausnahmefällen als Unterschlupf. Allerdings tun dies auch andere Insekten. So berichten südafrikanische Ärzte von allen möglichen Insekten in den Ohren ihrer Patienten - Schaben, Käfer und Wanzen - allerdings keine Ohrwürmer! (Literatur dazu mit dem Schlüsselwort 'medicine' in der 'Keywords' Datenbank suchen). Warum also gerade dieses Insekt nach den Ohren benannt wurde, ist mir daher nicht so ganz verständlich.
Die Benennung nach dem Ohr findet sich z.B. in der deutschen, englischen, französischen und russischen Sprachen. In andere Sprachen wie Thai, Japanisch, aber auch Schwedisch, Spanisch, Italienisch und Portugisisch weist der Namen auf die Zangen, die dann als 'Scheren', 'Zangen' oder 'Schwänze' bezeichnet werden, hin (mehr Sprachen in der Datenbank 'Vernacular, Native or Common Names'). Eine sehr logische Bennenung.
Auch wenn der Ohrwurm mit diesem Namen versehen wird, er kriecht nie gezielt in Ohren, weder menschliche noch tierische, und baut dort auch nie Nester oder bohrt sich in das Gehirn, um dort Eier zu legen.
Dank den Autoren von 'Neuere Angaben zur Ohrwurmfauna der Schweiz (Dermamptera)', Dr. Rezbanyai-Reser und Dr. Kocarek konnte ich die Fundorte aus dieser Arbeit, rund 600 an der Zahl, zu meiner Verbreitungsdatenbank hinzufügen. Vielen Dank dafür!
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| Publikationen zur schweizer Ohrwurmfauna
Fossilien: Heer O (1883) Die Urwelt der Schweiz. 2. Auflage / 2. Ausgabe. : 49-51.
Fruhstorfer H (1921) Die Orthopteren der Schweiz und der Nachbarländer auf geographischer wie ökologischer Grundlage mit Berücksichtigung der fossilen Arten. Archiv für Naturgeschichte, 87 (4-6): 1-262.
Hofmänner B (1951) Die Geradflügler (Dermaptera und Orthoptera) des Schweizerischen Nationalparkes und der angrenzenden Gebiet.
Kocarek P, Rezbanyai-Reser L (2005) Neuere Angaben zur Ohrwurmfauna der Schweiz (Dermamptera). Entomologische Berichte Luzern, 53: 135-148.
Redtenbacher J (1900) Die Dermaptoteren und Orthopteren (Ohrwürmer und Geradflügler) von Österreich-Ungarn und Deutschland.
Rezbanyai-Reser L, Birrer S (2004) Der Tag der Artenvielfalt in Sursee, Kanton Luzern, 2004 und die dabei festgestellen Insekten. Entomologische Berichte Luzern, 52: 79-96.
Schoch G (1886) Orthoptera Helvetiae.
Daneben gibt es noch meine Bearbeitung im Rahmen der Fauna Europaea. Mehr dazu in den Literatur- und Verbreitungsdatenbanken. Weitere Informationen und Bilder zur schweizer Ohrwurmfauna finden sich in den Datenbanken und in der Linkliste.
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Alle Daten zur Verbreitung in der Schweiz
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Arten
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Labiduridae
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Labiduridae: Labidurinae |
zu den Abbildungen |
| Labidura riparia (Pallas, 1773) |
Sandohrwurm, Uferohrwurm |
| Locus Typicus: Sibirien/Russland |
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| Einige Synonyme:
Apterygida huseini Rehn, 1901
Forficesila affinis Guérin-Méneville, 1836
Forficesila gigantea Burmeister, 1838
Forficesila icterica Audinet-Serville, 1839
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Die größte Dermaptera-Art der Schweiz (25-30 mm), die nicht mit den anderen hiesigen Arten verwechselt werden kann. Farbtönung und Muster sind allerdings recht variabel, die Zangen sind dunkler gefärbt. Die Deckflügel sind immer vorhanden, die Flügel ragen in unterschiedlichem Masse über diese hinaus. Bei flugfähigen Exemplaren, die es auch bei uns gibt, sind sie besonders lang. Bei Adulten Tieren sind die Zangen der Männchen und der Weibchen einander recht ähnlich.
Der Sandohrwurm ist ausschließlich räuberisch und jagt vor allem andere Arthropoden. Seine nutzbringenden Aktivitäten wurden untersucht und demzufolge wird er gelegentlich zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt.
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Forficulidae
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Forficulinae |
zu den Abbildungen |
| Forficula auricularia Linnaeus, 1758 |
Gemeiner Ohrwurm, Ohrwurm, Ohrenkriecher, Ohrenkneifer, Ohrenhöhler, Öhrling |
| Locus Typicus: "Europa" [sic] |
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| Einige Synonyme:
Forficula borealis Leach, 1835
Forficula caucasica Kolenati, 1846
Forficula parallela Fabricius, 1775
Forficula dentata Fabricius, 1775
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Die häufigste Dermaptera-Art in der Schweiz. Sie stellt den Ohrwurm dar, den jedermann kennt. Mittelgross, Zangen inbegriffen ca. 15-20 mm, durchgehend braun gefärbt. Flügeldecken immer vorhanden. Die Flügel ragen über diese hinaus.
Die Zangen sind recht variabel und unterscheiden sich zwischen Männchen und Weibchen deutlich. Der Gemeine Ohrwurm kann allenfalls mit dem Zweipunktohrwurm (Anechura bipunctata) verwechselt werden. Letztere hat jedoch je einen hellen Punkt auf jedem Deckflügel, und bei den Männchen sind die Zangen auch in der Seitenansicht, nicht nur in der Aufsicht, deutlich geschwungen. Beim Gemeinen Ohrwurm fehlen die Punkte und die Zangen sind in der Seitenansicht fast gerade.
Forficula auricularia ist ein Allesfresser, sie wird zum Teil als "Nützling" angesehen und wird auch zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Die bekannten, umgedrehten Blumentöpfe mit Stroh gefüllt dienen als Tagesunterkünfte für diese Tiere, nah an ihrem potentiellen Futter, den Blattlausen und anderen Pflanzenschädlingen an Büschen und Bäumen. Andererseits frisst die Art auch an zarten Blüten- und anderen Pflanzenteilen, wodurch sie zuweilen schädlich werden kann.
Der Gemeine Ohrwurm ist je nach Population flugfähig oder -unfähig, so dass sichere Nachweise und Beobachtungen sehr wünschenswert wären.
Die Flugfähigkeit kann übrigens auch noch am toten Tier morphologisch festgestellt werden: bestimmte Strukturen am Bruststück sind im Falle der Flugfähigkeit besonders groß (siehe Kleinow 1966 und 1971).
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Forficulinae |
zu den Abbildungen |
| Forficula decipiens Géné, 1832 |
-ohrwurm |
| Locus Typicus: Italy |
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| Einige Synonyme:
Forficula brevis Rambur, 1838
Forficula laminigera Costa, 1881
Forficula pallidicollis Brullé, 1832
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Das Vorkommen in der Schweiz ist bisher fraglich und geht wahrscheinlich auf eine Fehlbestimmung oder falsches Zitat zurück, beginnend vermutlich mit der Publikation von Fruhstorfer 1921.
Hier sollte gezielt gesucht werden, vielleicht lässt sich diese Art heute irgendwo in der Schweiz sicher nachweisen. In der neuesten und umfangreichsten Arbeit über Schweizer Dermapteren (Kocarek & Rezbanyai-Reser 2005) wird die Art nicht erwähnt, sie konnte also nicht gefunden werden.
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Forficulinae |
zu den Abbildungen |
| Apterygida media (Hagenbach, 1822) |
Gebüschohrwurm |
| Locus Typicus: Schweiz |
- |
| Einige Synonyme:
Apterygida albipennis (Megerle, 1825)
Apterygida pedestris Westwood, 1840
Forficula media Hagenbach, 1822
Chelidura curta Fischer, 1846
Sphingolabis albipennis Megerle, 1825
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Kleiner als Forficula auricularia, Zangen inbegriffen ca. 10-15 mm, durchgehend braun gefärbt. Flügeldecken sind immer vorhanden; Flügel klein und läppchenartig, sie ragen nie über die Flügeldecken hinaus. Am Fehlen von sichtbaren Flügeln ist die Art auch am einfachsten von Forficula auricularia zu unterscheiden.
Die Art sitzt häufig an Büschen und Bäumen, so wie es auch der Name schon andeutet.
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Anechurinae |
zu den Abbildungen |
| Anechura bipunctata (Fabricius, 1781) |
Zweipunkt-Ohrwurm |
| Locus Typicus: Italien |
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| Einige Synonyme:
Anechura asiatica Semenov, 1903
Anechura orientalis Semenov, 1901
Chelidura anthracina Kolenati, 1846
Forficula biguttata Fabricius, 1794
Forficula fabricii Fieber, 1854
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Der Zweipunkt-Ohrwurm ist mit einer Länge von 15-20 mm (Zangen inbegriffen) etwa gleich groß wie der Gemeine Ohrwurm, allerdings dunkler gefärbt und mit je einem deutlichen hellen Fleck auf jedem Deckflügel. Ferner sind die Zangen des Männchens auch in der Seitenansicht geschwungen, nicht nur von oben betrachtet.
Die Art kommt in kühleren Gegenden vor, bei uns in den Hochlagen. Die Imagines (ausgewachsenen Tier) sind möglicherweise flugfähig, sichere Nachweise fehlen aber.
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Anechurinae |
zu den Abbildungen |
| Chelidura acanthopygia (Géné, 1832) |
Waldohrwurm |
| Locus Typicus: Italien |
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| Einige Synonyme:
Forficula aptera Schmidt, 1866
Chelidurella acanthopygia (Géné, 1832)
Forficula acanthopygia Gené, 1832
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Chelidura ist im Gebiet die schwierigste Gattung. Kürzlich wurde die Art acanthopygia in zwei Arten aufgespalten: Chelidura guentheri Galvagni, 1993 und Chelidura thaleri Harz, 1980. Diese Arten sind aber nur im Vergleich von Serien auseinanderzuhalten. Sie sind kleiner als Forficula auricularia, um 10-15 mm Körperlänge (inklusive Zangen).
Provisorisch wird die Art 'Chelidura acanthopygia' hier weitergeführt, denn 'Chelidura acanthopygia' ist sicher von den anderen Ohrwurmarten, wie Forficula auricularia oder Apterygidia media, anhand von Fotos zu unterscheiden.
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Anechurinae |
zu den Abbildungen |
| Chelidura aptera (Megerle, 1825) |
-ohrwurm |
| Locus Typicus: "Europa" [sic] |
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| Einige Synonyme:
Chelidura paupercula Géné, 1832
Forficula alpina Borelli 1832
Forficula montana Géné, 1832
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Forficulidae: Anechurinae |
zu den Abbildungen |
| Chelidura mutica Krauss, 1886 |
-ohrwurm |
| Locus Typicus: Italy |
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| Einige Synonyme:
keine.
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Spongiphoridae
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| Systematik |
Beschreibung und Informationen |
| Spongiphoridae: Labiinae |
zu den Abbildungen |
| Labia minor (Linnaeus, 1758) |
Kleiner Ohrwurm, Zwergohrwurm |
| Locus Typicus: "Europa" [sic] |
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| Einige Synonyme:
Forficula minor Linnaeus, 1758
Copiscelis minor Fieber, 1853
Forficesila minor Frivaldsky, 1867
Forficula livida Zschach, 1788
Labia minuta Scudder, 1876
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Die kleinste Schweizer Art (5-6 mm), die mit anderen Arten im Gebiet nicht verwechselt werden kann.
Die Imagines von Labia minor sind immer flugfähig. Die Flügel ragen deutlich über die Deckflügel hinaus, und die Tiere nützen diese Fähigkeit regelmäßig aus, um die vereinzelten Nist- und Jagdplätze zu erreichen. Der Kleine Ohrwurm jagt und brütet in Dunghaufen.
Eine genaue Kartierung dieser Art wäre besonders interessant, auch in Relation zu den Dunghaufen und deren Erzeuger, Pferde, Rinder und andere Tiere.
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Eingeschleppte oder zeitweise in der Schweiz lebende Arten
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Keine Arten bekannt.
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